Frauengesundheit heute – Studienlage, Forschungsschwerpunkte und Bedeutung für Privatkliniken
Was bedeutet „Gender Health Gap“?
Der Begriff „Gender Health Gap“ beschreibt eine systematische Gesundheits‑ und Versorgungslücke zwischen Frauen und Männern in Forschung, Diagnostik und Behandlung. Historisch wurde medizinische Forschung überwiegend am männlichen Körper ausgerichtet, was dazu führt, dass Symptome, Reaktionen auf Medikamente oder Krankheitsverläufe bei Frauen oft unzureichend untersucht sind.
Beispiel Herzinfarkt:
- Klassischer Brustschmerz bei Männern ist bei Frauen oft weniger stark ausgeprägt oder bleibt aus.
- Frauen berichten häufiger von Druck- oder Engegefühl in der Brust, Rückenschmerzen, Schweißausbrüchen, Übelkeit oder unerklärlicher Müdigkeit.
- Oft werden diese Symptome fälschlicherweise als Stress oder Angst abgetan, wodurch lebensrettende Behandlungen verzögert werden können.
- Auch Ausbildungslücken spielen eine Rolle: Ersthelfer:innen sind meist an männlichen Puppen geschult, was Hemmungen bei der Reanimation von Frauen verursachen kann.
AXA‑Studie zum Bewusstsein über Gender Health Gap
Die repräsentative Studie aus 2025 zeigt:
- 70 % der Bevölkerung kennen den Gender Health Gap nicht.
- Rund ein Drittel der Deutschen (32%) nimmt an, das Geschlecht spiele bei der Behandlung von Krankheiten keine Rolle. Ganz anders die Einschätzung der befragten Ärztinnen und Ärzte, von denen nur 1% dieser Aussage zustimmen.
- 82 % der Befragten glauben nicht, selbst schon aufgrund ihres Geschlechts falsch behandelt worden zu sein. Doch:
- Mehr als die Hälfte (55%) der Mediziner:innen gibt an, schon einmal eine falsche Diagnose wegen mangelnder geschlechtsspezifischer Berücksichtigung gestellt zu haben.
Selbsteinschätzung der Bevölkerung
Einschätzung der Mediziner:innen
Folge: Bildungs‑ und Ausbildungsdefizite in der medizinischen Praxis sind ein erkennbares Problem.
Studienlage – unterrepräsentierte Frauen in Forschung und Arzneimitteltests
Mehrere Studien und Forschungsberichte zeigen, dass Frauen in vielen klinischen Studien unterrepräsentiert sind oder dass Daten, die sich auf Frauen beziehen, fehlen („Gender Data Gap“). Das betrifft nicht nur Diagnostik, sondern auch Medikamentenwirkung, Nebenwirkungen und Therapieerfolge.
Jahrzehntelang basierten wissenschaftliche und medizinische Standards auf dem männlichen Körper – „genauer gesagt auf dem durchschnittlichen weißen Mann“, so Nigina Muntean, Leiterin der Innovationsabteilung des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA). Frauen waren in klinischen Studien historisch unterrepräsentiert, besonders in den frühen Phasen der Arzneimittelprüfung. Zwar müssen Medikamente, die für beide Geschlechter zugelassen werden sollen, ab Phase II ein Geschlechterverhältnis abbilden, das der Bevölkerung entspricht, doch in Phase I gibt es keine Vorgaben.
- Folge: Frauen haben ein bis zu 70 % höheres Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen, weil klinische Daten primär auf Männer bezogen sind.
- Menopause und Alterungsforschung: 99 % der Studien zur Langlebigkeit berücksichtigen die Menopause nicht – die Physiologie der Hälfte der Bevölkerung fehlt damit praktisch.
Politische Initiativen und Förderprogramme
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat 2026 Fördermittel von bis zu 10 Millionen Euro für Forschung zu Frauengesundheit ausgeschrieben. Ziel:
- Schließung von Versorgungslücken
- Aufbau evidenzbasierter Therapiekonzepte
- Förderung patientinnenzentrierter Versorgung
- Unterstützung von Nachwuchsforschungsgruppen in Versorgungs- und Präventionsforschung
Die beste Privatklinik finden
Das Privatklinik-Portal unterstützt Sie bei der Auswahl geeigneter Privatkliniken.
Relevanz für Privatkliniken
Spezialisierte Versorgung
Privatkliniken können Versorgungslücken adressieren durch:
- Multidisziplinäre Frauengesundheitszentren (Gynäkologie, Kardiologie, Endokrinologie, Schmerztherapie)
- Individuelle Diagnostik für hormonelle Erkrankungen, Menopause, Endometriose
- Spezialisierte kardiologische Diagnostik und Aufklärung zu geschlechtsspezifischen Herzinfarktsymptomen
Mitwirkung an Forschung
- Beteiligung an klinischen Studien, z. B. zu Medikamentenwirkungen bei Frauen
- Aufbau Register- und Forschungsplattformen
- Kooperationen mit Universitätskliniken, um die Evidenzbasis für frauenspezifische Erkrankungen zu stärken